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Exposition of Music – Electronic Television | Participation TV
»Exposition of Music – Electronic Television«, 1963
Participation TV | Fotografie | Fotograf: Manfred Montwé
Der hier im Raum mit den Fernsehern sitzende Fluxuskünstler Tomas Schmit hat Paik beim Aufbau der Ausstellung unterstützt. Von ihm stammt eine genaue Beschreibung der einzelnen TV-Modifikationen, die deutlich macht, daß der chaotische Eindruck des TV-Ensembles täuscht, insofern das Ganze eher einer Laborsituation mit verschiedenen Versuchsaufbauten als einer klassischen Ausstellung gleicht. »im dem raum zwischen halle und garten elf fernseher; anordnung – wie die der pianos – at random; einer steht auf einem anderen, die anderen stehen auf dem boden. ausgangsmaterial ist das normale jeweilige fersehprogramm, was allerdings bei den wenigsten geräten noch zu erkennen ist. (die verschiedenen komplizierten eingriffe, die paik an den inneren organen der tvs vorgenommen hatte, entziehen sich dem verständnis des elektrolaien und meinem; ich versuche, die resultate zu beschreiben): einer der fernseher zeigt ein negatives und überdies laufendes bild. bei einem ist das bild um die senkrechte mittelachse des bildschirms gewissermaßen zu einer walze zusammengerollt. beim laut paik kompliziertesten fall rücken drei unabhängige sinusschwingungen den parametern des bildes zu leibe. die zweiergruppe: der untere ist waagerecht gestreift, der obere ist senkrecht gestreift (der obere zeigt das gleiche bild wie der untere, doch er steht auf der seite statt auf den füßen). beim zen tv läuft mitten über den bildschirm eine einzige senkrechte, weiße linie. einer liegt auf dem gesicht und zeigt sein programm dem parkett (paik heute: »der war kaputt«). bei den obigen acht tvs rührt die gestalt des bildes (beim fernsehen sagt man bild auch für eins in der zeit!) von halbwegs festgelegten manipulationen an der elektronik des geräts her, bei den untigen vieren sind die manipulationen so, daß obendrein von außen eingespeistes das bild bestimmt oder beeinflußt: einer ist an einen vor ihm liegenden fußschalter angeschlossen; drückt man den, führen die kurzschlüsse des kontaktvorgangs dazu, daß ein feuerwerk von augenblicklich wieder verlöschenden lichtpunkten über den bildschirm spritzt. einer hängt an einem mikrofon; spricht jemand rein, sieht er ein ähnliches, jedoch kontinuierliches punktefeuerwerk. am weitesten geht der »kuba tv«; er ist an ein tonbandgerät angeschlossen, das ihm (und uns) musik einspeist: parameter der musik bestimmen parameter des bildes. schließlich (im obergeschoß) der »one point tv«, der mit einem radio verbunden ist; er zeigt in der mitte des bildschirms eine hellen punkt, dessen größe sich nach der jeweiligen lautstärke des radioprogramms richtet; wird es lauter, wird er größer, wird es leiser, wird er kleiner.« Dieter Daniels


 Exposition of Music – Electronic Television

In der Galerie im Privathaus des Architekten Rolf Jährling inszeniert Paik vom 11.-20.3.1963 seine erste wichtige Ausstellung, die bereits im Titel seinen Übergang von der Musik zum elektronischen Bild anzeigt. Vier präparierte Klaviere, mechanische Klangobjekte, mehrere Schallplatten- und Tonbandinstallationen, zwölf modifizierte Fernsehgeräte und ein frisch geschlachteter Ochsenkopf über dem Eingang gehören zu dem nur zehn Tage jeweils zwei Stunden abends von halb acht bis halb zehn geöffneten Ereignis. Die zeitgenösssichen Besucher haben, wie die Presseberichte zeigen, die über das ganze Haus bis in die Privaträume verteilte Ausstellung als Gesamtereignis erlebt und den Raum mit den Fernsehgeräten oft nur en passant wahrgenommen. Heute gilt dieser Raum als Startpunkt der späteren Videokunst, obwohl Paik damals noch keine Videogeräte zur Verfügung hat, sondern nur mit preiswert erworbenen, gebrauchten Fernsehern arbeitet, an denen er Modifikationen vornimmt, die das Bild des laufenden Fernsehprogramms verzerren. Bis 1963 gab es in Deutschland nur ein einziges Fernsehprogramm, das nur wenige Stunden am Abend sendet, was auch ein Grund für die späten Öffnungszeiten von Paiks Ausstellung sein mag. Im Unterschied zu den zeitgleichen Fluxus-Aktionen gab es über Paiks Projekt keinerlei Fernsehberichte.