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Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.) »Weekend Remix«
Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.), »Weekend Remix«, 1998
© Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.)
Web-Link: intermedium rec. 003
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Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.) »Weekend Remix«Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.) »Weekend Remix«

Kategorien: Audio Art | Radio

Schlagworte: Found Footage | Montage | Recycling

Quellentext:

Ruttmann, Walter »Weekend Remix Künstlerstatements«

Relevante Textstellen:

icon: authorDieter Daniels »Sound & Vision in Avantgarde & Mainstream«

Siehe auch:

Walter Ruttmann| Robert Lippok| Walter Ruttmann »Weekend«


Deutschland | Audio-CD | Konzept: intermedium records | Mitwirkende: Walter Ruttmann; Ernst Horn; DJ Spooky; Mick Harris; Klaus Buhlert; to rococo rot; John Oswald | Edition / Produktion: BR Hörspiel und MedienkunstBR Hörspiel und Medienkunstintermedium records | Sound
 

 Walter Ruttmann/DJ Spooky u.a. (Walter Ruttmann/DJ Spooky et al.)
»Weekend Remix«

Der aus Geräuschen und Minisequenzen montierte legendäre Hörfilm des Filmemachers Ruttmann im Original (1930) und sechs aktuelle Remix-Versionen (1998). Radiokunst aus den Pioniertagen remixed und variiert.»Weekend« von Walter Ruttmann (1887-1941) ist eine Pionierleistung aus den frühen Tagen des Rundfunks. In einer 11 Minuten und 30 Sekunden langen Collage von Worten, Musikfetzen und Klängen präsentierte der Filmemacher und Medienkünstler Walter Ruttmann am 13. Juni 1930 eine avantgardistische und radikal innovative Radioarbeit: ein akustisches Bild einer Berliner Wochenend-Stadtlandschaft. 68 Jahre später produziert der Bayrische Rundfunk mit sechs Musikern / Künstler sechs Remix-Versionen von »Weekend«.

Die Remixe von Klaus Buhlert und Ernst Horn haben Ruttmanns Kompositionsprinzipien von Weekend aufgegriffen, um sie mit eigenen Kompositionen zu umschreiben. Mit der neuen digitalen Technologie wurden auch neue Kompositionsmethoden angewendet. Pathos und Rhythmus bekamen dabei einen zeitgemäßen drive, die ironischen Momente des respektlos geschnittenen Originals konnten durch entsprechende Nachbehandlung der Komponisten Horn und Buhlert noch verstärkt, neue Hör-Räume geöffnet werden.
To rococo rot suchten im Berlin des Jahres 1998 nach akustischen Entsprechungen der Elemente, die Ruttmann 1930 aufgenommen hatte. Ihre Version ist – filmisch gesprochen – ein Remake, musikalisch eine Coverversion, zugleich eine Hommage an Ruttmann und die Stadt Berlin.
Der britische Musiker Mick Harris und DJ Spooky aus New York stellten in ihren Weekend Remixes eine Wiederkehr der fatalistischen Stimmung des Originals her. Hier standen Maschinengeräusche und die akustischen Signale gestörter Kommunikation im Fokus der Remixkompositionen. Außer hinzugefügten Bass- und Rhythmusspuren bedienten sich Harris und DJ Spooky allein des Originals als Material, das mit digitalen Maschinen bearbeitet wurde.
Grundlage für den Remix das Kanadiers John Oswald war das starke Rauschen der Kopie des Originals von 1930. Oswalds Remix unternahm mit dem Original eine digitale Materialschlacht, die im diskontinuierlichen Rhythmus Ruttmanns die mit der Zeit entstandenen Kopiergeräusche vervielfachte.

Barbara Schäfer

Mit:
Walter Ruttmann: Weekend (Original Recording 1930)
Ernst Horn: Sympathie für Schulze Remix
DJ Spooky: Gedanken Form Remix
Mick Harris: Makeshift Whitebox Remix
Klaus Buhlert: production memory remix
to rococo rot: Berlin 98 Version
John Oswald: wknd 58 remix
Producer: BR Hörspiel und Medienkunst


Künstlerstatements:

Walter Ruttmann: Weekend
Produktion: Berliner Rundfunk 1930
»Alles Hörbare der ganzen Welt wird Material. Dieses unendliche Material ist nun zu neuem Sinn gestaltbar nach den Gesetzen der Zeit und des Raums. Denn nicht nur Rhythmus und Dynamik werden dem Gestaltungswillen dieser neuen Hörkunst dienen, sondern auch der Raum mit der ganzen Skala der durch ihn bedingten Klangverschiedenheiten. Damit ist der Weg offen für eine vollkommen neue akustische Kunst – neu nach ihren Mitteln und nach ihrer Wirkung.« (Walter Ruttmann)

Ernst Horn: Sympathie für Schulze Remix <br>
»Je öfter ich das angehört habe, desto mehr kam da ein naiver, fröhlicher zukunftsfreudiger Charme raus, ein spielerischer Futurismus, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ich machte also keine harten Schnitte, die Ruttmann verwendet hat, sondern ich hab in meinen Samples kleine Szenen mit weichen Blenden zusammengefasst.«

DJ Spooky That Subliminal Kid: Gedanken Form Remix
»Im Wesentlichen ist mein Remix das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, die sich in einem Übergangsstadium befinden – ähnlich wie Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen herrscht auch in Amerika am Ende des Jahrhunderts eine große Verunsicherung. Das alles natürlich gesehen durch die Brille eines jungen afroamerikanischen Mannes.«

Mick Harris: Makeshift Whitebox Remix
»Weekend – eine fantastische Klangquelle. Allerdings ist das Stück in sich so geschlossen, dass ich es keinesfalls neu arrangieren wollte. Also suchte ich nach Klängen, die es mir erlaubten, ein neues Stück in einer möglichst ähnlichen Stimmung zu komponieren.«

Klaus Buhlert: production memory remix
»Mir ist diese Geschichte sehr wertvoll, ich möchte sie in den Strängen von Ruttmann, auch mit den Geräuschen von Ruttmann erzählen, ich möchte ein paar Räume aufmachen und sie mit meiner Arbeit der letzten Jahre als Hommage an Ruttmann umarbeiten und habe dazu Musiken und Hörspielsequenzen aus meiner Arbeit der letzten Jahre eingeflochten. Aus einem monophonen Ruttmann-Take der 30er Jahre entsteht dann plötzlich ein Raum der 90er.«


to rococo rot: Berlin 98 Version
Laut des Schnittplans ist Weekend ja sehr musikalisch geschnitten, mit verschiedenen Taktmaßen, beim Freitagabend zum Beispiel, wo die ganze Freitagsarbeits- und Maschinenwelt nach 1/4 Noten, nach 1/16 Noten geschnitten ist und das haben wir grob beachtet, für heute ging’s eher darum, ’raus zu finden und zu hören, wie heute ein Wochenende in Tönen funktioniert, so als unser Leitfaden.«

John Oswald: wknd 58
»Es gibt ein konstantes Rauschen auf der Aufnahme, und damit musste ich arbeiten. Anstatt zu versuchen, es im Zuge einer technischen Bearbeitung möglichst zu eliminieren, entschied ich mich für das Gegenteil.«