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Günther Selichar »Screens, cold«
Günther Selichar, »Screens, cold«, 1997 – 2003
Fotograf: Gerhard Koller/Kunsthalle Wien | © VG Bild-Kunst 2004
Installation Kunsthalle Wien Project Space/Kupferstichkabinett der Akademie 2001
 


 
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Kategorien: Foto

Relevante Textstellen:

»Dokument und Abstraktion«


Österreich | © Günther Selichar, VG Bildkunst, Foto: C. Schepe, Linz und Gerhard Koller/Kunsthalle Wien 1997/2003, Ilfochrome/Alucobond, 125 x 358 cm
 

 Günther Selichar
»Screens, cold«

Die Werkserie »Screens, cold« rückt ein Element der Medientechnik ins Blickfeld, das sich normalerweise der Aufmerksamkeit entzieht, da diese nun einmal meist auf die vermittelten Inhalte konzentriert bleibt: Monitore und Displays in ausgeschaltetem Zustand, also sozusagen leere elektronische Bild- bzw. Informationscontainer. Sie entstammen den verschiedensten Gerätezusammenhängen (TV-, Computerbildschirme, Messgeräte-, Handydisplays etc.), wobei die Gehäuseteile lediglich als schmaler Rand in Selichars Bildausschnitten erscheinen – auch deshalb fungieren die »kalten Bildschirme« als Bilder, sie zeigen nur sich selbst bzw. ihre Proportion, Farbigkeit, Rahmenbeschaffenheit oder etwa auch die Form bestimmter Flüssigkristallzellen für anzuzeigende Ziffern. Trotz der starken Vergrößerung (manche der Gerätedisplays messen realiter nur wenige Zentimeter) weisen die Ilfochromes aufgrund der hohen Kapazität der digitalen Aufnahmekamera eine immense Auflösung und Schärfe auf; In dieser dichten Darstellung wird die Feinstruktur der jeweiligen Bildschirme deutlich: Emailartige, tiefe Opazität, asphaltartige Grobkörnigkeit oder feinporige Punktierungen, in denen man Raster- oder Wellenmuster zu erkennen meint. Auch hier vermischen sich die Mikrostrukturen von darstellendem und dargestelltem Medium, doch im Vergleich zu den »Sources« sind diese Überlagerungen weitaus stärker verwoben, d.h. kaum noch entwirrbar. Der Bildschirm ist in vielem ein Erbe des Tafelbildes und seinen paradigmatischen Implikationen, etwa als Vehikel für Spiegel-, Fenster- und Projektionsmetaphern. Als Schnittstelle in eine andere Welt konditionieren Bildschirme die Wahrnehmung der transportierten Daten und in ihnen manifestieren sich die (be)herrschenden Politiken, Wissens- und Zeichensysteme unserer Kontroll- und Konsumgesellschaft, wie etwa auch die allgegenwärtigen Massenmedien.

(Quelle: Marie Röbl, »Sources«, »Screens«, »Exposures«. Günther Selichars Medienanalysen im fotografischen Medium, in: Martin Hochleitner u.a. (Hg.), Günther Selichar. Third Eye, Linz/Salzburg: Oö.Landesgalerie, Fotohof edition 37, 2004.)